FWV Beilsteiner Bürgerinnen und Bürger

 

Meinung zum Thema "gesundes Wachsen" umgesetzt von Thomas Bauer

Nr. 3: Probesitzen im romanischen Aborterker

Eine Sache, die man in Beilstein gemacht haben muss: Probesitzen auf dem steinernen Plumpsklo auf dem Langhansturm und gedanklich auf Zeitreise gehen. Für Mittelalter-Fans ein halber Ritterschlag...  Glücklicherweise hat man hinten keine Augen und ist die relevante Öffnung aktuell mit einer Plexiglasscheibe verschlossen. Entgegen der Mär vom finsteren Mittelalter hat man sich schon vor 800 Jahren in Beilstein auch um zutiefst menschliche Bedürfnisse gekümmert.

 

Vom romanischen Aborterker sind es nur 30 Stufen bis hinauf zur herrlichen Rundumsicht. Im Osten sieht man die Teilorte und den Beilsteiner Wald. Im Westen geht der Blick bis zum Heuchelberg. Und man hat die Besonderheiten Beilsteins direkt vor Augen: Den alten Stadtkern mit den Fachwerkhäusern, das arrondierte Schulzentrum mit Sportanlagen inklusive Hallenbad oder das gemeinsam mit Oberstenfeld betriebene Freibad. Und direkt unterhalb die Mauern der Burg und das Burgrestaurant. Dies alles aus Historie und Gegenwart ist schön und macht den Wohnwert in Beilstein aus.
Allerdings muss alles auch unterhalten werden. Mehrere Hundertausend Euro waren vor einigen Jahren nötig, um die Burgmauern zu sanieren. Der Sanierungsbedarf bei den Schulen wird sich auf etliche Millionen Euro belaufen. Dringende, immer wieder aufgeschobene Erhaltungsarbeiten erfordert das Rathaus. Trotz dieser vielen Aufgaben sehen wir eine nachhaltige Finanzwirtschaft mit möglichst wenig neuen Schulden als wichtige Säule der Generationengerechtigkeit. Die  Herausforderung besteht darin, dennoch notwendige Investitionen und ein behutsames Wachstum  möglich zu machen.
 

Die Enge des Söhlbachtals lässt für großzügige Entwicklungen keinen Platz. Für eine Straßen- oder Stadtbahntrasse steht nur ein kleiner Korridor zur Verfügung. An der Gemarkungsgrenze zu Oberstenfeld beginnt nicht nur den Landkreis Ludwigsburg, sondern auch die Region Stuttgart. Dies macht Planungsabläufe zusätzlich kompliziert. Aber bereits innerhalb einer Gemeinde hängt alles mit allem zusammen und es darf nichts vergessen werden. Stichwortartig seien genannt die Entwicklung hinter und im Bereich der alten Feuerwehr oder die Zukunft einer Seniorenwohnanlage und Pflegeeinrichtung in Beilstein.
 

Bei allem Vorrang der innerstädtischen Nachverdichtung wird es auch in Zukunft eine gewisse Neubebauung geben müssen. Bedarf sehen wir hier für das Gewerbe. Beilstein kann, soll und wird keine Gemeinde werden, die von Industriegebieten geprägt ist. Aber ein lebensfähiges Gemeinwesen braucht eine Grundausstattung an Dienstleistern, Einzelhändlern und gewerblichen Anbietern vor Ort. Und: jeder Arbeitsplatz vor Ort verringert das Mobilitätsproblem.

Mit Spannung erwarten wir deshalb auch das Ergebnis der Machbarkeitsuntersuchung für die Stadtbahn. Wir sehen die ersehnte Neuauflage der Bottwarbahn vor allem als längst überfälligen Zubringer zur S-Bahn in Richtung Stuttgart. Da die ideale Trasse des alten „Bähnle“ nicht mehr nutzbar ist, wird der neue Streckenverlauf (Haltepunkte ? Lärmschutz ? Landschaftsverbrauch ?) schwierig werden. Kann eine quartiernahe Hindurchführung durchs Städtle gelingen oder geht doch nur eine Haltestelle mit Busanbindung und P&R-Parkplatz ?

Wichtige Herausforderungen und Entscheidungen liegen auch hier vor uns und wir wollen dazu unseren Beitrag leisten. Beilstein soll nach Möglichkeit finanziell stabil, aber  lebensfähig und attraktiv bleiben.