Zwei Windkraftwerke des Typs E-175 EP 5 E2 sollen auf dem Hügel (Tauzenbühl) zwischen Gagernberg und Farnersberg entstehen – genauer gesagt etwas hinter dem Hügel, direkt oberhalb des Otto-Weber-Wegs. Bei einer Gesamthöhe von 262 m fällt dieses Detail aber eher „hinten runter“.
Mit insgesamt 14 MW Nennleistung könnten im Optimalfall etwa 7.000–9.000 Haushalte (ca. 3.500 kWh/Jahr) mit Strom versorgt werden – vorausgesetzt, die Räder drehen sich auch. Damit dies möglichst oft der Fall ist, ist ein konsequenter Netzausbau notwendig, um den Strom zuverlässig abtransportieren zu können. Geplant sind 25–30 Jahre Betriebsdauer, der Rückbau wird bereits von Beginn an mitgedacht. Das 2,6 m hohe Fundament wird größtenteils auf dem Boden errichtet, lediglich rund 40 cm liegen tatsächlich unter der Erde.
Am 14.01. nahm unser Stadtrat Benjamin Frank an der ersten Informationsveranstaltung in Lauffen teil. Insgesamt wurden 1,8 % der Landesfläche als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen. In unserem Fall gehört diese Fläche zu Lauffen und Abstatt, grenzt jedoch an die Gemarkung Beilstein und liegt in Luftlinie etwa 1 km von Gagernberg, 1,5 km von Billensbach/Maad und 1,8 km von Etzlenswenden entfernt. Der Wind weht hier überwiegend von West- bis Südwest, sollte er drehen, liegt der Schalldruck im nächstgelegenen Weiler Gagernberg bei maximal 30 dB – die A81 wird dabei deutlich lauter wahrgenommen. Sichtbar werden die Räder auf jeden Fall von weitem sein; dazu wird eine Landschaftsbildanalyse erstellt. Sie zeigt auf einer eingefärbten Karte, von welchen Standorten aus die Anlagen sichtbar sind und von wo nicht. Unser Langhans wird also ernste Konkurrenz bekommen.
Die Genossenschaft „EE BürgerEnergie Lauffen“ sorgt gemeinsam mit ZEAG und der Stadt Lauffen für eine Bürgerbeteiligung. Auf Nachfrage wurde bestätigt, dass es auch in oder um Beilstein eine weitere Informationsveranstaltung geben wird. Ob Beilsteiner Bürger Teil der Genossenschaft werden können, ist derzeit noch offen. Es wäre aber schon kurios, wenn die sichtbar betroffenen Personen außen vor bleiben würden. Hoffen wir auf gute Gespräche zwischen den Stadtverwaltungen. Unsere Bürgermeisterin wird bereits seit 1 ½ Jahren an den Gesprächstisch gebeten, ein hohe Priorität scheint dies im Rathaus aber nicht zu haben.
Unabhängig von diesem Projekt plant auch ForstBW den Bau von Windkraftanlagen in diesem Gebiet. Der weitere Verlauf beider Vorhaben wird zeigen, ob es zusätzlich zum Bau von ein oder zwei weiteren Anlagen kommt. Wir verfolgen beide Genehmigungsverfahren weiterhin aufmerksam.
Ein weiterer Aspekt betrifft den Aufenthalt in der Natur. So wurden beispielsweise Sorgen geäußert, dass Mensch und Tier sensibel auf die Fremdkörper im Wald reagieren könnten. Auch das Thema Infraschall wird in diesem Zusammenhang häufig angesprochen. Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand gibt es keine belastbaren Hinweise darauf, dass der von Windenergieanlagen ausgehende Infraschall gesundheitliche Schäden verursacht. Infraschall ist Bestandteil unseres Alltags und entsteht unter anderem durch Straßenverkehr, Haushaltsgeräte oder Heizungsanlagen. Gleichzeitig beschreiben Personen Symptome im Zusammenhang mit diesem. Bekannt ist, dass Erwartungen und individuelle Wahrnehmungen eine Rolle spielen können: Befürchtungen können Stress- oder Alarmreaktionen auslösen, ein Phänomen, das als Nocebo-Effekt bezeichnet wird.
Wir nehmen die Sorgen hinsichtlich Natur, Tieren und Infraschall ernst. Aspekte wie die Bodenverdichtung von Waldflächen, der Ausbau von Zufahrtswegen sowie weitere Eingriffe sprechen auch aus unserer Sicht in Teilen gegen die Umsetzung dieses und vergleichbarer Projekte.
Unabhängig davon gilt aber auch: Der Klimawandel zwingt uns zum Handeln.
Erneuerbare Energien sind ein entscheidender Baustein, um unsere Zukunft zu sichern. Eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach ist sicherlich eine noch bessere Lösung, als ein Windrad in den Wald zu bauen – aber stellen wir uns vor, man würde stattdessen z.B. ein Atommüll-Endlager bei uns einrichten wollen, oder eine Starkstrom-Trasse würde an Beilstein vorbeiführen – da wäre der Aufschrei noch größer.
Das Thema ist nicht unumstritten – es gibt gute Gründe für und gegen den Bau von Windkraftanlagen. Kritik ist wichtig, darum lasst uns um gute Lösungen streiten.
Sprechen Sie uns gerne an oder schreiben Sie uns – wir freuen uns auf Ihre Fragen und Anregungen.
Benjamin Frank
Fraktionssprecher
Freie Wählervereinigung
